WM 2026, Torquay, GBR, 20. - 31.7.2026
Mit 84 Teams aus 11 Nationen kommt das gemeldete Feld nicht an die immense Zahl vom vergangenen Jahr am Gardasee heran. Torquay, an der englischen Riviera, verfügt mit der Torbay über ein renomiertes Regattagebiet. An südlichere Gefilde erinnert auch das durchwegs anhaltende Sommerwetter – was dem Wind aber nicht unbedingt in die Karten spielt …
Torquay
Quasi in die Höhle des Löwen heisst es dieses Jahr für die WM. In Grossbritannien ist die grösste Fireball Flotte daheim. Und die GBRs treten immer an als Favoriten auf Titel an internationalen Anlässen. Dies sicher auch hier in Heimgewässern. Aber, gelingen tut es nicht immer: Momentan sind EM und WM Ttel in Schweizer Händen!
Die noch amtierenden Weltmeister Yves Mermod/Maja Siegenthaler (SUI), die vergangenes Jahr auf dem Gardasee brillierten, können hier leider nicht antreten. Sie machen sich derzeit auf nach Japan, um dort an der 470er WM zu starten. Sie befinden sich in den Ausscheidungen für die kommenden olympischen Spiele. Drei andere SUI Teams sind präsent, zwei schon für die International Week, kombiniert mit den UK Nationals über drei Tage zum Einfahren direkt vor der WM.
Beide Events: SUI 14495 Regila Baumgartner/Stefan Schärer, SUI 14863 Laura Markwalder/Tobias Frey
Nur WM: SUI 14896 Richi Scheller/Linus Eberle, SUI 15063 Jörg Nolle/Clay Poulson
Jörg Nolle ist für Mianne Erne eingsprungen, die kurz vor dem WM die Elle gebrochen hatte.
UK Nationals, 22. – 24.7.
53 Teams sind auf der Startliste, mehrheitlich unter GBR Flagge, mit dabei die SUI Regula Baumgartner/Stefan Schärer und Laura Markwalder/Tobias Frey.
Bei leichtem Wind wurden am Mittwoch 2 und am Donnerstag 3 Rennen gefahren. Die Topfavoriten Edwards/Townend (GBR) holten bereits 2 Laufsiege, strauchelten aber auch mit einem Frühstart am ersten Tag. Mitfavoriten Gillard/Thompson (GBR) kamen noch nicht wie gewollt in Schwung, umso mehr konnten sich G. Booth/Davenport (GBR) mit Toprängen gut in Szene setzen. Am besten platziert sind aber die H. Macfarlane/Payne (AUS) auch mit 2 Laufsiegen und immer unter den besten 5.
R. Baumgartner/Schärer kassierten im 2. Rennen einen Frühstart, sonst 2x 8, 15 und 16, was sie auf Zwischenrang 13 bringt. Auch L. Markwalder/Frey halten sich unter den Top 20 auf Rang 17.
Gute Seebrise gab es am Freitag. Die abschliessenden 3 Rennen konnten gefahren werden. Pech für H. Macfarlane/Payne (AUS), die bis anhin Führenden, ihnen brach im 7. Lauf die Einrichtung für die Riggspannung. Damit verloren sie 2 Rennen. Dagegen fuhren Georgia Booth/Oliver Davenport (GBR) weiter ganz vorne und gewannen damit die UK Nationals. Mit 2 weiteren Laufsiegen reichte es Edwards/Townend (GBR) noch zu Silber. Bronze geht an Hall/Constable. Gillard/Thompson (GBR) verpassten das Podest, sie sind Vierte.
Die beiden SUI landen in den Top 15: 12. R. Baumgartner/Schärer und 15. L. Markwalder/Frey. Vielversprechend für die WM! Diese geht am Sonntagmittag los mit 2 Rennen. Für dann sind stärkere Winde prognostiziert. Für den Rest des Events wieder weniger.
Rangliste UK Nationals
Report by Yachts&Yachting
Weltmeisterschaft
Sonntag (Tag 1):
Der Wind war da. Und wie. 20 bis 30 Knoten. Der erste Start klappte auf Anhieb, aber ein Grossteil steuerte die falsche Boje an, was die Wettfahrtleitung zum Abbruch veranlasste. Das erste Rennen gewannen anschliessend Hall/Constable (GBR), die 3. der UK Nationals.
Foto Mark Jardine
Das zweite Rennen, der Wind hatte noch etwas zugenommen, wurde die Beute von Edwards/Townend (GBR), den 2. der UK Nationals. Auch G. Booth/Davenport, die Sieger der Nationals, waren gut im Schuss. Die Drei sind schnell und sicher unterwegs, bei jedem Wind… Gray/Perpperdine (GBR) zeigten mit 3&4 = R3, dass sie mindestens bei Starkwind auch mitreden wollen. Rangliste
Foto Mark Jardine
Die Mitfavoriten und x-fach Weltmeister Gillard/Thompson beendeten den ersten Lauf nicht und wurden im anschliessenden 9. Darum sind sie auf der Zwischenrangliste erst auf Rang 45 zu finden. Im abgerochenen Lauf führten sie an der richtigen Luvboje, verlangten später Wiedergutmachung, die aber nicht gewährt wurde.
Die SUI waren alle auf dem Wasser. Scheller/Eberle gingen frühzeitig zurück. Nolle/Poulson leisteten sich einen Frühstart und kamen im 2. Rennen nicht ins Ziel. Besser erging es L. Markwalder/Frey, die zwei Mal Plätze Mitte 20 fuhren (=R22 ) und R. Baumgartner/Schärer, die auch beide Rennen beenden konnten (33&53 = R40). Für die Sicherheitsleute gab es einiges zu tun und an Land für einige Teams Reparaturen zu erledigen. Für die kommenden Tage ist wieder weniger Wind angesagt.
Montag (Tag 2):
Der Wind war leicht und drehend. Die Wettfahrtleitung scheute keinen Aufwand, damit 2 Läufe möglich wurden. Zum Glück ging ein Fenster auf mit einer stabilen Windrichtung. Im ersten Rennen leisteten sich ein paar Hotshots einen Frühstart, was andere zum Aufholen nutzten. Etwas speziell, wenn die Spitzenreiter der Zwischenrangliste vom Vortag allesamt verschwinden und neuen Gesichtern Platz machten. Die prominenten Opfer des Tages waren weit abgerutscht: Edwards (UFD*) R14, Booth (UFD) R20, Hall (NSC*) R23. Geblieben sind Gray/Pepperdine (GBR), die zwei gute Rennen fuhren – also auch top bei leichterem Wind – und nun in Führung lagen, vor H. Macfarlane/Payne (AUS), die den 2. Lauf des Tages gewannen.
Den SUI ging es an diesem Tag besser. L. Markwalder/Frey machten mit 14&15 einen Schritt nach vorn auf Rang 11. R. Baumgartner/Schärer liegen mit 17&40 auf Platz 32. Nolle/Poulson (72&56) belegen Rang 70 und auch Scheller/Eberle beendeten beide Rennen (54&49 = R72). Das alles vor dem 1. Streicher, der nach 5 Läufen kommt und tüchtig mischen wird. Rangliste | *UFD = U Flag Disqualification | *NCS = Did not sail the course
Eine grosse Nummer ist nicht mehr im Rennen: Gillard/Thompson (GBR) starten nicht mehr. Sie sind abgereist.
Für den Dienstag waren die Prognosen leichtwindig, 2 weitere Rennen geplant.
Dienstag (Tag 3):
Wind von 3 auffrischend auf 4-5 Bft. Seit dem 5. Rennen – jetzt ist der Streicher in Kraft – ist die Welt für Edwards/Townend wieder in Ordnung. Sie sind mit 9&1 wieder an der Spitze zurück und den Frühstart (85 Punkte) los. Ebenso G. Booth/Davenport mit Laufsieg und 2. Dazu gesellten sich Kings/Loe (GBR) mit den Plätzen 2 und 6, damit punktgleich mit Rang 2. Solid auch zurück in Touch Hall/Constable mit 3&4 auf Rang 4.
Durchzogene Bilanz für die SUI: L. Markwalder verloren wegen einer Aufgabe nach Kenterung an der Halseboje im 5. Lauf ziemlich Boden. Der 25. Platz im anschliessenden Lauf bestätigte ihren Zwischenrang 24. R. Baumgartner/Schärer steigerten sich wieder etwas (41&24) und verbleiben auf Rang 32. Nolle/Poulson näherten sich im letzten Lauf der Feldhälfte (76&44 = R70). Scheller/Eberle (50&58 = R68) spürten immer noch die nicht gefahrenen Rennen vom ersten Tag. Resultate
Mittwoch:
Da bis jetzt alles nach Programm lief, war am Mittwoch Layday ohne Regatten. Weiter ging es am Donnerstag und Freitag mit geplanten 2 Rennen pro Tag.
Donnerstag (Tag 4)
Die Windprognosen waren nicht vielversprechend: Wind aus unterschiedlichen Richtungen über den Tag. Dennoch fand die Wettfahrtleitung eine stabilere Phase mit 3 bis 4 Bft. um ein Rennen über die Runden zu bringen. Danach drehte der Wind wieder umher. Ein Lauf 8 kam nicht mehr zustande. Edwards/Townend festigten ihre Führung mit einem weiteren Laufsieg. G. Booth/Davenport mussten als 10. eine Punktestrafe (SCP 11.5) hinnehmen wegen Class Rules Verstoss (8.1), verblieben aber auf Rang zwei. Mit einem 2. Platz rückten Hall/Constable auf Rang 3 vor und verdrängten Kings/Loe vom Podest auf Rang 4. Auch Gray/Pepperdine auf Rang 5 blieben in Podestnähe…
Die SUI hielten etwa ihre gehabten Ränge. Für den Finaltag waren noch 2 letzte Rennen geplant.
Freitag (Tag 5)
Bei durchwegs leichtem Wind gab es am letzen Tag noch 2 Rennen. Beide wurden von H. Macfarlane/Payne (AUS) mit grossem Abstand gewonnen. Das hievte sie auf Schlussrang 5. Ihre exzellente Leichtwindgeschwindigkeit hatten sie schon an den UK Nationals unter Beweis gestellt. Da mit dem 9. Rennen der 2. Streicher ins Spiel kam, war noch mit grösseren Rangverschiebungen zu rechnen. Mit 11&8 hatten Edwards/Townend immer die Kontrolle über ihre nächsten Konkurrenten und liessen diesmal nichts mehr anbrennen und holen Gold. Sie sind die neuen Weltmeister! Das restliche Podest änderte komplett. Mit dem zusätzlichen Streicher und dem 2. Platz im letzten Rennen holten Simon Kings/Jono Loe (GBR) Silber vor Dave Wade/Iain Blake, die mit 6&7 auch einen guten Tag erwischten. Das beste mixed Team Georgia Booth/Oliver Davenport rutschten mit ihrem schlechtestem Tag (23&15) auf den 4. Schlussrang ab, wie auch Dave Hall/Paul Constable (34&21) von 3 auf Rang 7.
Laura Markwalder/Tobias Frey glänzten zu Beginn mit einem 3. Platz, konnten im letzten Rennen aber nicht daran anschliessen: Schlussrang 23. Auch Regula Baumgartner/Stefan Schärer eröffneten mit einem 10. Platz super. Der 2. Lauf gelang aber nicht mehr. Sie beenden die WM auf Rang 33. Einen grossen Schritt nach vorn ging es für Richi Scheller/Linus Eberle . Mit dem Streicher wurden sie endlich den 2. DNS vom ersten Tag los und der bravouröse 5. Platz im letzten Lauf brachte sie auf Schlussrang 52. Jörg Nolle/Clay Poulson wurden zum Schluss auch ihren 2. Frühstart los und schliessen als 71. ab.

Die WM ging mit Segeln nach Programm bei hochsommerlichem Wetter und guter Kameradschaft über die Bühne. So wie man es sich wünscht. Die Teams wurden auf dem Wasser mit sehr unterschiedlichen Bedinungen konfrontiert. Die Wettfahrleitung und die Helfer haben sehr umsichtig agiert. Das gebührt dem Royal Torbay Yacht Club mit ihren Sponsoren grossen Dank.
Sind die neuen Boote aus Carbon und mit neuem Decklayout schneller?
Das Boot von Edwards/Townend (15144 Jg.2017) ist vor den Class-Rules-Änderungen von Anfang 2025 gebaut. Sowohl die Zweiten Kings/Loe (15174 Jg.2025) und die Dritten Wade/Blake (15192 Jg.2026) fahren auf Booten der neusten Generation. Aufgrund der Resultate lässt sich die Frage mit NEIN beantworten. Denn die Sieger Edwards/Townend waren in allen Bedingungen schneller. H. Macfarlane/Payne (15152 Jg.2018) waren bei Leichtwind allen überlegen. G. Booth/Davenport konnten mit relativ altem Boot (14940 Jg.2006) bis auf den letzten Tag mehr als nur mithalten. Noch immer überwiegen die Fähigkeiten des Teams einem allfälligen Vorteil eines neuen Bootes.
Es bestätigt sich weiterhin, dass die 2025 erfolgten Class-Rules-Änderungen sehr sorgfälltig gemacht wurden mit Bedacht darauf, dass das Boot durch die Verwendung von Carbon, das neue Deckdesign und die Zulassung von neuen Trimmmöglichkeiten nicht per se schneller machen.
